Gunda von Savigny

Hof Trages

Die Urenkelin des Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny erzählt die Geschichte des romantischen Hofgutes Trages bei Hanau. Dort trafen sich Bettine und Clemens Brentano, Achim von Arnim, Karoline von Günderrode und Jacob Grimm mit dem Hausherren.

"Es war auf dem Trages, da lag der Schnee schon etwas tief. Ich ging die Lindenallee, und es waren viele Raben auf die Bäume geflogen. Ich war so kalt, daß ich nicht einmal fror, obwohl es auf mich schneite. Die Sonne ging ganz blutrot unter." So drückte Bettine Brentano ihre Stimmung in einem Brief an Achim von Arnim aus, als sie im Jahr 1804 mehrere Wochen auf dem Hofgut Trages verbrachte. Dieses an der bayerischen Grenze im hessischen Spessart, zwischen Hanau, Gelnhausen und Aschaffenburg gelegene Gut war am Anfang des 18. Jahrhunderts Treffpunkt führender Vertreter der deutschen Romantik. Die jungen Leute verbrachten hier unbeschwerte Tage: "Wie wir hier leben, das will ich Dir erzählen. Morgens kommen wir alle im Schlafzimmer von Savignys zusammen. Da wird gegalert und als ein bisschen Krieg mit Kopfkissen und Rouleaux geführt, und im Nebenzimmer wird gefrühstückt dabei," schreibt Bettine an ihre Freundin Karoline von Günderrode. Dieses gesellige Beisammensein gab Anregungen für ihr literarisches und wissenschaftliches Schaffen. Clemens Brentano hat bei einem seiner ersten Aufenthalte auf Trages den ersten Teil seines Romans "Godwi" geschrieben, der Trages diente ihm als Vorbild für Godwis Gut; sein großes Märchen "Gockel, Hinkel und Gackeleia" spielt im Wald zwischen Gelnhausen und Trages. In der nahen Klosterruine Wolfgang residierte der Hühnerminister. Vom nahen Hanau kam die Dichterin Karoline von Günderrode auf den Trages, häufig zu Gast waren die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm. Eingeladen hatte Friedrich Karl von Savigny, der Gründer der historischen Rechtsschule und spätere preußische Justizminister. Seine Freunde schätzten ihn nicht nur als großzügiger Gastgeber. Er war es auch, der ihr geistiges Schaffen anregte. Sein historisches Denken beeinflusste Clemens Brentano und Achim von Arnim in ihrem Entschluss, Volkslieder zu sammeln und sie unter dem Titel "Des Knaben Wunderhorn" herauszugeben. Seine Schüler Jakob und Wilhelm Grimm regte er an, die Märchen aufzuschreiben, die ihnen erzählt wurden. 

Die Urenkelin des großen Rechtsgelehrten, Gunda von Savigny, hat die Geschichte des Hofes in einem Buch zusammengefasst. Man hätte keine sachkundigere Autorin für dieses Werk finden können. Sie ist auf Trages geboren und in dieser inspirativen Atmosphäre aufgewachsen, sie hat viele Jahrzehnte ihres Lebens dort gewohnt und in unzähligen Führungen Besuchern aus aller Welt das Hofgut ihrer Vorfahren nahe gebracht. Ihre tiefe Verbundenheit mit diesem Landstrich hat sie in das Buch einfließen lassen. Der Schwerpunkt liegt auf der romantischen Zeit. Grundlage ihrer auch für das Fachpublikum neuen Informationen sind die vielen Briefe, die von oder nach Trages geschrieben wurden. Außerdem kann sie, die durch nur zwei Generationen von ihren berühmten Urgroßeltern Gunda und Friedrich Karl, ihrem Urgroßonkel Clemens Brentano und der Urgroßtante Bettine Brentano getrennt ist, aus der Familienüberlieferung schöpfen, in der der große Rechtsgelehrte bis heute liebevoll als "Urherr" lebendig geblieben ist. 

2. Auflage, 107 Seiten, Hardcover, 3-928100-69-3, 14,90 Euro

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