Dietrich Fichtner
... und wollten so gerne bleiben
Seligenstadts historischer Stadtkern erstreckt sich im wesentlichem in
Süd-Nordrichtung und schmiegt sich an das westliche Ufer des Mains an,
wo dieser mit einer deutlichen Kurve von Franken ins Hessenland vorstößt.
Aus dem historischem Stadtkern ist Seligenstadt erst seit Anfang des 20.
Jahrhunderts herausgewachsen. Ein relativ hoher Anteil jüdischer Bürger
prägte die Entwicklung der Stadt. 1885 gab es 280 Menschen "israelitischen
Glaubens" (8%), 189 Lutheraner und 3159 Katholiken. 1993 lebten unter
den 5816 Seligenstädtern noch 146 Juden (2,5%).
In dieser Publikation werden anhand eines Rundgangs zu den Häusern der
jüdischen Bürger Stationen ihres Lebens erläutert.
Seligenstadts gut situierte jüdische Gemeinde war in das wirtschaftliche
und kulturelle Leben der Stadt eingebunden. Allerdings blieben Hochzeiten
zwischen Juden und Christen, wie auch zwischen Katholiken und Protestanten,
die große Ausnahme. Einer engeren Verflechtung standen erhebliche Vorurteile
im Wege. Nachbarschaftliche und freundschaftliche Bindungen gab es aber
über die Religionsgrenze hinweg. Sie hielten oft sogar den Belastungen
der Nazi-Jahre stand. Wie im gesamten Bistum Mainz haben sich auch in
Seligenstadt die Katholiken einem vulgärem Antisemitismus widersetzt.
Die zuletzt verbliebenen jüdischen Bürger wurden im September 1942 deportiert.
In der Geschichte der jüdischen Gemeinde Seligenstadts spiegelte sich
- trotz ihrer Begrenztheit - vieles vom Schicksal der jüdischen Gemeinschaft
als Ganzes wieder. Fast überall, wo deutsche Juden in der ersten hälfte
des 20. Jahrhunderts lebten, finden wir auch Seligenstädter(innen), ob
beim Wechsel in die größeren Städte , ob bei den Zuzügen aus dem Osten,
ob bei der Emigration in den Jahren vor und während der Naziherrschaft.
Nicht zuletzt finden wir Seligenstädter und Seligenstädterinnen als Opfer
in vielen Mordstätten des Dritten Reiches von 1941 bis 1945.
Wir stellen die vorliegenden Informationen im Zusammenhang eines Rundganges
durch den Stadtkern dar. Indem wir dieses Wissen hier niederlegen, wollen
wir verhindern, dass die ehemalige Nachbarn vergessen werden.
ISBN 978-3-928100-39-7,
80 Seiten, 5,00 Euro
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