Brigitte
Wenninger: Der Eselsweg. Ein Weitwanderweg zum Genießen.
ISBN 3-928100-89-0, 168 S., 12,80 Euro
Tagesausflüge und Fernwanderungen auf dem Eselsweg
Von Schlüchtern bis zum über Großheubach gelegenen Kloster Engelberg
in der Nähe von Miltenberg verläuft der 111 Kilometer lange Eselsweg quer
durch den Spessart. Die Wege, auf denen einst Esel Salz von Orb an den
Main oder Glas von den Spessartdörfern in die Messestädte transportiert
haben, eignen sich hervorrragend zum Wandern. Zu verdanken ist das in
erster Linie dem Spessartbund, der Wege ausgewählt hat, die vielfach auf
weichen Waldböden verlaufen, teilweise mit Gras bewachsen sind und bei
denen allzu starke Anstiege vermieden werden. Auch die Esel mussten ja
früher die Strecke bewältigen, und deshalb gibt es kilometerlange Abschnitte,
die fast einer Höhenlinie folgen.
Nicht jeder Wanderer wird die Zeit, vielleicht auch nicht die Kondition
aufbringen, den gesamten Weg in einer mehrtägigen Wanderung abzulaufen.
Deshalb hat sich die begeisterte Wanderin Brigitte Wenninger aus Miltenberg
entschlossen, in ihrem soeben im Hanauer CoCon-Verlag erschienenen Wanderführer
über den Eselweg neben der 111 Kilometer langen Fernwanderung auch 23
Tagesausflüge und acht Wochenendtouren zu beschreiben, auf denen man den
historischen Wanderweg häppchenweise kennen und lieben lernen kann.
Die Ausflüge sind so angelegt, dass die Wanderer mit dem Zug oder dem
Bus zum Ausgangspunkt fahren können. Vom Tal aus steigt man auf den Eselsweg
hoch und kann dann nach Lust und Laune auf dem Höhenweg wandern, bevor
man sich zum Abstieg insTal entschließt, vom dem man mit öffentlichen
Verkehrsmitteln wieder nach Hause kommen kann. Diese Auf- und Abstiege
sind durchweg ganz besonders schöne Wanderstrecken und daher eher ein
Gewinn als nur ein Muss. Die einzelnen Wandervorschläge sind zwischen
drei und sechs Stunden lang, und deshalb bleibt meist noch Zeit, sich
Sehenswürdigkeiten anzusehen, die von der Autorin an den Endpunkten der
Wanderung empfohlen werden. Und damit man den Bus nicht verpasst, hat
der Verlag einen Fahrplan als Anhang eingefügt, der laufend aktualisert
und den Lesern gegen Portoerstattung in der neusten Fassung zugeschickt
wird.
Wanderer wollen sich nicht nur sportlich betätigen und sich an der Natur
erfreuen - zu einer richtigen Wanderung gehört auch die zünftige Einkehr.
Deshalb gibt es zu jedem der fünf Abschnitte, in die die Autorin den Eselsweg
eingeteilt hat, ein Verzeichnis mit Gaststätten, in denen die Spessart-Wanderer
willkommen sind.
Eine Stärke des Buchs liegt darin, dass Brigitte Wenninger ihren Lesen
keine Vorschriften machen will. Sie gibt Empfehlungen und stellt in Form
von Karten, Bildern und Texten vielfältiges Material zur Verfügung, aus
denen sich der Leser nach eigenen Vorstellungen seine "Wunschtour"
zusammenstellen kann.
Wer mit den Tagesausflügen begonnen hat, wird Lust verspüren, danach
den ganzen Eselsweg kennen zu lernen. Auch dafür eröffnet Frau Wenninger
verschiedene Möglichkeiten: Die ganz Sportlichen schaffen die 111 Kilometer
in vier Tagen; wer alle Schönheiten auf der langen Wanderung genießen
will, kann sich dafür auch zwei Wochen Zeit lassen. Viele Wanderer entscheiden
sich - wie vom Spessartbund vorgeschlagen -, die Fernwanderung in sechs
Etappen zu gehen. Ein ausführliches Übernachtungsverzeichnis erlaubt auch
hier individuelle Planung. Und damit die Wanderer - im Gegensatz zu den
Eseln - nicht unter ihrem Gepäck stöhnen müssen, stellt die Autorin noch
das Angebot "Wandern ohne Gepäck" vor.
Wer in dem Büchlein blättert, spürt die tiefe Verbundenheit der Autorin
mit dem Spessart. "Der Eselsweg ist für mich der Inbegriff des Spessarts.
Sie sehen hier nichts Spektakuläres, aber Sie können Ihr Auge unendlich
wohltuend in den vielfältigen Grüntönen oder Herbstfarben ausruhen lassen",
schwärmt Brigitte Wenninger über "ihren" Eselsweg, auf dem sie
fast jede Woche unterwegs ist. Und dass sie mit ihrer Begeisterung auch
die Leser ansteckt, dafür sorgen die vielen Farbfotos im Buch, die einen
Vorgeschmack von den Schönheiten des Spessarts zu allen Jahreszeiten geben.