Jörg Stier
Vom Baum in den Bembel
Die handwerkliche Herstellung der hessischen Apfelweine
Gute Nachrichten rund um´s Stöffche: Ein Buch, das sich ausschließlich
dem Apfelwein widmet. Und pointierte Aussagen, die für Gesprächsstoff
sorgen. Genau das braucht der hessische Apfelwein!
Hört man „Hessen“, denkt man an Apfelwein!
Obwohl auch in Hessen viel Bier hergestellt und getrunken wird, mit Bier
verbindet man eher Regionen in Westdeutschland oder Bayern. Auch spielt
der Weinbau in Hessen eine nicht geringe Rolle, viele wissen jedoch noch
nicht einmal, dass der Rheingau zu Hessen gehört.
Kein anderes Getränk verkörpert Hessen mehr als der Apfelwein. Doch auf
die Aussage, Apfelwein sei ein Stück der hessischen Kultur, es gebe vielleicht
sogar eine hessische Apfelweinkultur, erntet man nicht selten ungläubiges
Kopfschütteln.
Schaut man sich in der hessischen Apfelweinrealität um, muss man
auf den ersten Blick diese Reaktion sogar verstehen.
Denn Apfelwein kennt man fast nur noch als Supermarktprodukt in der Schraubverschlussflasche
– ein Getränk, das immer gleich aussieht, gleich riecht und gleich schmeckt
– also bar jeder Weinkultur hergestellt wurde. So spielt die Apfelweinbereitung
in den meisten Keltereien nur noch eine untergeordnete Rolle, überwiegend
wird mittlerweile der Umsatz mit „bunten Säften“ und „Energie-Drinks“,
also eigentlich keltereifremden Produkten, erzielt.
Gab es früher in jeder Ortschaft wenigstens eine Kelterei, in vielen Orten
sogar mehrere, muss man heute in manchen Regionen schon auf die Suche
gehen, um überhaupt einen Kelterer zu finden. Entdeckt man dann doch noch
eine Kelterei, ist die Enttäuschung oft groß. Denn Apfelweine aus Kleinkeltereien
oder von Kleinstherstellern kann man vielfach nur mit viel gutem Willen
probieren, solche Apfelweine schmecken angeblich erst nach dem vierten
Schoppen ....
Aber warum ist das so?
Grundlage für einen guten Apfelwein sind natürlich die richtigen Apfelsorten,
eben die alten Kelteräpfel. Bedeutsam für die Lagerung des Schoppens ist
der richtige Keller. Aber weder stehen heute Naturkeller noch alte Apfelsorten
in ausreichender Zahl zur Verfügung. Dies weist auf die eigentliche Ursache
der Misere hin: Das alte Wissen wurde nicht mehr weitergegeben, und damit
fehlte die Möglichkeit, die Apfelweinbereitung den veränderten Voraussetzungen
anzupassen – eine Entwicklung, für die der Apfelwein beispielhaft steht.
Denn die Weinbauinstitute lehren noch heute, dass die Herstellung von
Traubenwein und Apfelwein fast gleich sei, dabei sind doch Äpfel und Trauben
verschiedene Früchte, kann da die Weinbereitung gleich sein? Lieferanten
für Keltereibedarf dagegen vermitteln uns, dass ein frisch gepresster
Apfelsaft nie zu einem guten Apfelwein werden könne, würde man nicht die
angebotenen verschiedenen Zugaben verwenden.
Und so gibt es seit über zwanzig Jahren auch kein Buch mehr, das sich
ausschließlich dem Apfelwein widmet. Bestenfalls wird unser hessisches
Nationalgetränk am Rande erwähnt.
Existiert also nur noch eine tote Apfelweinkultur? Nein, denn es gibt
auch gute Nachrichten rund um’s Stöffche:
Einige Kleinhersteller gehen wieder mit Liebe, Sachverstand und neuen
Ideen an den Apfel heran, einige Gastronomen zelebrieren perfekte „Hessische
Apfelweinküche“, der Apfelwein und die Streuobstwiesen kommen bei den
Jüngeren wieder in Mode. Die Tradition, ein Fässchen Apfelwein im Keller
reifen zu lassen, entwickelt sich wieder, und das vor allem bei der Jugend.
Mit meinem Buch „Vom Baum in den Bembel“ möchte ich helfen, dieses wieder
entdeckte alte Handwerk neu zu beleben. Neben meinen Apfelweinseminaren,
Kellerführungen, Apfelweinabenden und Apfelweinstammtischen soll ein weiteres
Forum entstehen, das Sie einlädt, Appetit auf den Wein des Apfels zu bekommen.
Ich hoffe, mit diesem Buch Fragen zu beantworten, Anregungen geben zu
können, möchte aber auch zu Widerspruch einladen.
Deshalb ist das Buch so aufgebaut, dass es einmal als Wegweiser für den
Selbstkelterer dient. Gleichzeitig soll sein Inhalt dem interessierten
Apfelweinfreund einen Einblick in die Herstellung des Stöffchens geben.
Und die pointierten Aussagen werden hoffentlich nicht nur in Fachkreisen
für Gesprächsstoff sorgen. Denn wichtig für eine lebendige Kultur ist
vor allem, dass sich die Menschen mit Freude und Begeisterung mit ihr
beschäftigen. Und genau das braucht der hessische Apfelwein!
132 Seiten, Hardcover, ISBN 3-928100-79-3, Preis 9,90 €
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